Was ist ein Freizügigkeitsdepot?
Ein Freizügigkeitsdepot ist ein Wertschriftendepot für dein Pensionskassenguthaben aus der 2. Säule. Anders als beim Freizügigkeitskonto wird dein Guthaben nicht fix verzinst, sondern in Vorsorgefonds angelegt: Fonds, die speziell für Vorsorgegelder aufgelegt sind und den Anlagevorschriften der beruflichen Vorsorge (BVV 2) folgen. Einzelne Aktien kaufen kannst du nicht, die Auswahl ist gesetzlich auf geprüfte Fonds und Anlagegruppen von Anlagestiftungen beschränkt.
Angeboten werden Freizügigkeitsdepots von Banken und von Freizügigkeitsstiftungen (= Stiftungen, die Freizügigkeitsgelder verwalten). Bei vielen digitalen Anbietern eröffnest du das Depot heute vollständig online.
Ein Freizügigkeitsdepot kommt in denselben Situationen zum Einsatz wie das Freizügigkeitskonto: bei einer längeren Auszeit, beim Schritt in die Selbständigkeit, bei Frühpensionierung, nach dem Auswandern oder bei längerer Arbeitslosigkeit. Selbst einzahlen kannst du auch hier nicht. Dein Guthaben entwickelt sich mit den Finanzmärkten, nach Abzug der Gebühren. Genau deshalb lohnt sich der Vergleich.
Freizügigkeitskonto oder Freizügigkeitsdepot: So entscheidest du
Bleibt dein Guthaben voraussichtlich weniger als drei Jahre in der Freizügigkeit, ist das verzinste Konto die sichere Wahl: Kursverluste könntest du in kurzer Zeit kaum aufholen. Ab etwa fünf Jahren bietet ein Depot deutlich höhere Renditechancen. Typische Situationen mit langem Horizont sind Frühpensionierung, eine mehrjährige Auszeit oder das Auswandern in einen EU/EFTA-Staat, wo der obligatorische Teil deines Guthabens bis zur Pensionierung in der Schweiz gesperrt bleibt.
Alle Zinssätze findest du im Freizügigkeitskonto Vergleich.
So findest du das beste Freizügigkeitsdepot
Insbesondere zwei Kriterien entscheiden, welcher Freizügigkeitsfonds und -anbieter sich für dich lohnt: die Gesamtkosten und die Anlagestrategie.
Gesamtkosten: Verschiedene Gebühren zu beachten
Bei einem Freizügigkeitsdepot zahlst du auf bis zu drei Ebenen: die Produktkosten des Fonds oder der Anlagestratgie (TER = jährliche Gesamtkosten eines Fonds), allfällige Depot-/Verwaltungsgebühren und bei einzelnen Anbietern zusätzliche Ausgabe- oder Rücknahmekommissionen. Entscheidend ist die Summe: Die Gesamtkosten reichen im Markt von ca. 0.4% bis zu bis 1.7% pro Jahr. Bei einem Guthaben von CHF 200'000 macht das ein Kostenunterschied von CHF 2'600 pro Jahr aus, über zehn Jahre mehr als CHF 26'000.
Anlagestrategie: Die Aktienquote muss zu deiner Risikobereitschaft und deinem Anlagehorizont passen
Die Aktienquote (= Anteil des Fondsvermögens, der in Aktien investiert ist) bestimmt Renditepotenzial und Schwankungsbreite. Das Angebot reicht von konservativen Strategien ohne Aktien bis zu 100% Aktienanteil bei einzelnen Anbietern. Welche Quote zu dir passt, hängt von zwei Dingen ab: deinem Anlagehorizont und deiner Risikobereitschaft. Der Horizont steckt den Rahmen ab: Je länger dein Geld liegt, desto besser kannst du Kursrückgänge aussitzen. Bei fünf Jahren ist eine mittlere Quote sinnvoll, bei zehn und mehr Jahren spricht vieles für einen hohen Aktienanteil. Deine Risikobereitschaft entscheidet innerhalb dieses Rahmens: Ein langer Horizont erlaubt eine hohe Aktienquote, verlangt sie aber nicht. Wer einen zwischenzeitlichen Verlust von 30% oder mehr nicht aushält und in einer schwachen Börsenphase auf eine andere Anlagestrategie oder ein Freizügigkeitskonto wechsel, realisiert den Verlust genau dann, wenn er am grössten ist.
Beachte: Fonds und Anlagestrategien mit mehr als 50% Aktien gelten rechtlich als erweiterte Anlagemöglichkeit und werden erst freigeschaltet, wenn dein Risikoprofil beim Anbieter die nötige Risikofähigkeit ausweist.
Wie sicher ist ein Freizügigkeitsdepot?
Bei einem Freizügigkeitsdepot sind zwei Arten von Risiko zu unterscheiden: das Insolvenzrisiko des Anbieters und das Anlagerisiko. Gegen das erste bist du gut geschützt. Deine Fondsanteile gelten rechtlich als Sondervermögen (= sie gehören dir und fallen bei einem Konkurs des Anbieters nicht in die Konkursmasse), unabhängig von der Höhe. Anders als beim Freizügigkeitskonto spielt die Limite von CHF 100'000 deshalb kaum eine Rolle: Sie betrifft nur den nicht investierten Bargeldanteil, der zusammen mit deinen übrigen Vorsorgegeldern bei derselben Bank konkursprivilegiert ist. Das zweite Risiko trägst du selbst: Kursverluste sind Teil jeder Wertschriftenanlage und werden durch keine Garantie gedeckt.